Sozial schwächer gestellte Menschen haben oft Schwierigkeiten, eine umfassende medizinische Versorgung zu erhalten. Dem will die "Praxis ohne Grenzen" in Bad Segeberg entgegenwirken und behandelt Patienten in Notlagen kostenlos - eine nicht unerhebliche, finanzielle Belastung. Denker und seine Kollegen sind bereits seit 2010 ehrenamtlich tätig. Aufgrund gesetzlicher Schwierigkeiten ist die Abgabe von Medikamenten als Spende jedoch nicht möglich, was sich nun nach Gesprächen mit Gesundheitsminister Daniel Bahr endlich ändern soll.
Finanzielle Spenden reichen nicht aus
Dr. Uwe Denker von der Praxis ohne Grenzen berichtet von einem immer höheren Andrang in der Praxis, der die Hilfe von Bedürftigen immer schwieriger gestaltet. So reichen die Spendengelder für Medikamente längst nicht mehr aus, warnt der ehrenamtlich behandelnde Allgemeinmediziner. Bei einem kürzlich stattgefundenen Treffen mit dem Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr in Berlin thematisierte Dr. Uwe Denker die Probleme bei seiner täglichen Arbeit und forderte entsprechende Erleichterungen - mit Erfolg. Daniel Bahr zeigte sich sehr kooperativ. "Der Gesundheitsminister ist uns entgegengekommen: Wir dürfen nun Medikamente sammeln, die wir dann an Mittellose ausgeben dürfen. Dabei soll die Zuzahlung wegfallen", so der Allgemeinarzt zu den Ergebnissen seines Treffens. Denker betonte jedoch, dass ausschließlich original verpackte Medikamente aus 100 %ig sicherer Herkunft, wie beispielsweise Altersheimen genutzt werden sollen. Ein Bad Segeberger Apotheker, welcher ebenfalls zum Verein Praxis ohne Grenzen e.V. gehört, organisiert dabei die Sammlung überschüssiger Medikamente in Altersheimen. Die Medikamente werden anschließend auf Rezept an die Patienten der Praxis ohne Grenzen ausgegeben. Eine Zuzahlung wird nicht erhoben.
Die tatsächliche Änderung der Umstände und die Umsetzung der Vereinbarungen erwartet Dr. Uwe Denker innerhalb von etwa 3 Monaten. Die Entlastungen kommen wie gerufen, denn die deutsche Gesetzgebung verbietet eine Abgabe von Medikamenten als Spende. So musste die Praxis ohne Grenzen bisher jene Medikamente kaufen, um die Patienten damit versorgen zu können. Da immer Bedürftige die Praxis aufsuchen, kann das momentane Spendenvolumen die hohen Kosten der Versorgung nicht mehr ausgleichen. Zu den am häufigsten ausgegebenen Medikamenten gehören unter anderem Antidiabetika, Antidepressiva, Schmerzmittel und Antihypertonika. Dabei suchen, so Dr. Uwe Denker, überwiegend Menschen aus dem "gescheiterten Mittelstand", also ehemals Selbstständige oder Angestellte die ehrenamtlich tätige Praxis auf.

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